Nietzsches Einsamkeit, gespiegelt durch Yalom
Irvin D. Yaloms Roman Und Nietzsche weinte erzählt auf den ersten Blick die Geschichte einer unmöglichen Begegnung. Eine Therapiesitzung, die historisch niemals stattgefunden hat, bringt den Psychiatriepionier Josef Breuer und einen der einsamsten Denker der Moderne, Friedrich Nietzsche, an einen Tisch. Doch die eigentliche Stärke des Romans liegt darin, dass diese fiktive Begegnung weit über ein philosophisches Gedankenspiel hinausgeht und zu einer tiefen Erkundung der menschlichen Seele wird. Im Mittelpunkt steht zwar Nietzsche, doch aufmerksame Leserinnen und Leser erkennen schnell, dass Yalom nicht nur Nietzsche porträtiert, sondern zugleich seine eigene geistige Welt im Spiegel dieses Philosophen reflektiert. Deshalb lässt sich das Werk weniger als Biografie eines Denkers denn als Dialog zweier großer Geister über die Grenzen der Zeit hinweg lesen. Nietzsche gehört zu den am häufigsten missverstandenen Philosophen der Moderne. Meist stehen seine Ideen im Vordergrund – der „Über...